Tränenregen

Tränenregen

Wir sassen so traulich beisammen
im kühlen Erlendach.
Wir schauten so traulich zusammen
hinab in den Bach.
Der Mond war auch gekommen,
die Sternlein hinterdrein
und schauten so traulich zusammen
in den silbernen Spiegel hinein.

Ich sah nach keinem Monde,
nach keinem Sternenschein,
ich schaute nach ihrem Bilde,
nach ihren Augen allein.
Und sah sie nicken und blicken
herauf aus dem seligen Bach.
Die Blümlein am Ufer, die blauen,
sie nickten und blickten ihr nach.

Und in dem Bach versunken,
der ganze Himmel schien
und wollte mich mit hinunter
in seine Tiefe ziehen.
Und über den Wolken und Sternen,
da rieselte munter der Bach
und rief mir mit Singen und Klingen:
Geselle, Geselle, mir nach!

Da gingen die Augen mir über,
da wurd es im Spiegel so kraus;
Sie sprach: Es kommt ein Regen.
Ade, ich geh nach Haus.

Gedicht von Wilhelm Müller ( 1794 - 1827 )
Es wurde von Franz Schubert (1797 - 1828 ) vertont.

Irgendetwas berührt mich bei diesem Gedicht, welches vor ca 188 Jahren geschrieben wurde sehr tief.
Der Bach, das spiegelnde Wasser, der Mondschein, das Gesicht des Mädchens welches sich an der Oberfläche des Wassers spiegelt?
Wer kennt nicht diese Spiegelmomente, wenn nicht im Wasser, so doch in der Fensterscheibe eines Busses oder der Bahn. Man schaut hinaus und wird auf einmal von zwei Augen gefangengenommen, die sich in der Scheibe spiegeln. Vielleicht begleitet von einem lächeln. Lächelnde Momente. Und dann stieg sie aus. Schaute noch einmal im vorbeigehen hinein.

11.8.08 05:22

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