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Salomo war ein weiser Mann

Salomo war ein weiser Mensch, wenn man der Legende glauben darf.
Salomo hielt Gericht, zwei Mütter kamen zu ihm, die sich um ein Kind stritten. Beide sagten es sei ihres.
Salomo liess einen Kreidekreis auf den Boden zeichnen, und das Kind in die Mitte stellen.
Die Mutter, die das Kind aus dem Kreis herauszieht, der sollte das Kind zugesprochen werden.
Die Mütter nahmen ja ein Arm des Kindes und zerrten so gut es ging, nach beiden Seiten.

Dem Kind tat es weh, so zerrissen zu werden. Die Frau aber, der das Kind am meisten ans Herz gewachsen war, konnte das Leiden des Kindes nicht ansehen. Traurig liess sie los um dem Kind nicht noch mehr Schmerzen zuzufügen. Die andere Mutter zog es triumphierend aus dem Kreidekreis. In dem Wissen es jetzt ganz für sich zu haben.

Doch Salomo war weise, er hielt sich nicht an sein Wort. Er sah das Leid der wirklichen Mutter, ob es die wahre Mutter war, es sei dahingestellt. Er sah, dass sie das Kind so sehr liebte, ihm keine Schmerzen zufügen konnte, und es deshalb aufgab.
Deshalb sprach er ihr das Kind zu. Die Zerrmutter musste verzichten.
Vielleicht nicht gut von Salomo, sich nicht an seine eigenen Worte zu halten, aber dennoch eine Weise Entscheidung.

Kinder sollten niemals instrumentalisiert werden, wenn Paare sich trennen. Wie es oft genug geschieht. Kein Elternteil sollte an dem Kind zerren, es versuchen auf seine Seite zu ziehen. Den Partner, die Mutter oder den Vater beim Kind schlecht machen. Das Kind sollte sich selbst ein Bild machen und nicht in die Auseinandersetzungen mit hineingezogen werden.

Und auch in der Liebe wird es wohl ähnlich sein, wer liebt zerrt nicht. Versucht nicht den anderen zu zerreissen. Zwingt ihn nicht. Lässt ihn aus Liebe dann eher gehen.


14.6.08 03:27, kommentieren